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Serie B, Saison 13/14, 29.11.2013

 

Empoli FC - Brescia Calcio

2:2

Empoli, Stadio Carlo Castellani (3.528 Zuschauer)

Am nächsten Morgen hatte ich zum ersten Mal das Gefühl ausgeschlafen zu sein. Der Linienbus brachte mich am späten Vormittag zum Flughafen und Wizzair nach Bologna. Mittlerweile habe ich auch den Dreh raus, wie man sich einen schönen Sitz am Notausgang sichern kann. Die ganze Reihe blieb obendrein frei und daher war der Flug mehr als angenehm. Bologna, nach meinem Dafürhalten eine der schönsten Städte Italien, war das Zwischenziel und das einziges (mir bekannte) Ärgernis der Stadt ist, das der Flughafenbus für seine halbstündige Fahrt in die Stadt unverschämte sechs Euro kostet. Aber auf anderen Wegen kommt man hier nicht weg, wobei bei Zeit und wenig Gepäck sich garantiert die eigenen Füße als Alternative anbieten würden. Der Flughafen liegt vielleicht fünf Kilometer von der Stadt entfernt. Die Endstelle des Busses ist der Bahnhof von Bologna, wo vor 30 Jahren 80 Menschen durch einen von Faschisten verübten Bombenanschlag ums Leben kamen. Zwei Wochen vor der Tour, die mit möglichst viel Zugfahrerei gestaltete werden sollte, orderte ich eine ganze Batterie Online-Tickets von Trenitalia, da man auch in Italien als Frühbucher ein paar Schnäppchen machen kann. Allerdings ist die Bucherei bei Trentitalia auch nicht so ganz einfach. Gibt man z. B. die Strecke Bologna nach Pisa ein, ist das Angebot sehr überschaubar. Nach einigen Versuchen stellte sich heraus, dass man bei Buchung von reinen Schnellzugstrecken (Frecciarossa, ehemals Eurostars) das Angebot wesentlich reichhaltiger ist und man so an die Sparpreise kommt. Reine Regionalzugstrecken, wie etwa von Florenz nach Livorno, sollte man dann eher vor Ort ziehen, weil es keinen Preisabschlag bei der Onlinebuchung gibt. Die italienische Eisenbahn hat in den letzten Jahren ihr Netz an Hochgeschwindigkeit- und Schnellzügen stark ausgebaut, allerdings zu Lasten der langsameren, aber deutlich günstigeren Regionalzüge. Somit ist Bahnfahren in Italien nicht mehr so günstig wie vor Jahren, aber zumindest noch deutlich billiger als bei uns. Von Bologna ging es zunächst nach Firenze (S. M. Novella) und von dort dann mit einem dieser Regionalzüge bis nach Empoli weiter, welches genau in der Mitte zwischen Florenz und Livorno liegt. In Empoli war ich zwar schon vor acht Jahren einmal, aber bei der Spieltagsansetzung hatte ich zumindest das Glück, dass wenigstens noch das einzige Freitagsmatch gut erreichbar war. Empoli zählt zwar nicht unbedingt zu den schönsten Städten in der Toskana, aber so übel wie in manchen Heften beschrieben, ist die Stadt nun auch wieder nicht. Der Marktplatz mit ein paar ganz netten Bars befindet sich in unmittelbarer Nähe zum Bahnhof und zum Stadion braucht man etwa 20 Minuten. Beim Ticketkauf braucht man sich auch keine großen Sorgen machen, da die wenig begehrten Billets an der Abendkasse unter Vorlage eines amtlichen Ausweisdokumentes gekauft werden können. 13,50 Euro kostete die billigste Karte und berechtigte zum Zugang der Gegengerade. Vor der Hütte gibt es die obligatorischen Fressbuden, wo man sich sein belegtes Brot selber zusammenstellen lassen kann. Beim anschließenden Einlass wurde das Ausweisdokument mit dem Billet abgeglichen und erst dann durfte man seine Karte in den Schlitz am Drehkreuz stecken. Bei meinem ersten Besuch im Jahre 2005 schrieb ich: „Bis auf wenige Ausnahmen (z. B. San Siro) zeichnen sich die italienischen Stadien durch große Tristesse aus. Ein Prototyp für diese Eintönigkeit ist das Stadion Carlo Castellani. Die Haupttribüne ist ein fader Betonbau, der überdacht ist und aus zwei Ebenen besteht. Der Unterrang ist dabei etwas niedrig geraten. Links und rechts davon gibt es noch unüberdachte Sitzplätze. Auf der gegenüberliegenden Seite gibt es eine ebenfalls zweistöckige Tribüne. Dieser fehlt allerdings die Überdachung. Die restlichen Flächen entlang der Laufbahn wurden mit lieblosen Stahlrohrtribünen aufgefüllt. Benannt ist das Stadion nach einem ehemaligen Spieler, der in einem Konzentrationslager ermordet wurde.“ Tja, wie sich die Sichtweisen doch ändern können, denn so übel wie damals empfunden ist das Stadion nun nicht, zumal die Gegengerade mittlerweile auch überdacht wurde. Damals wie heute stand die aktive Szene von Empoli in der Mitte der Gegengerade, allerdings mit dem Unterschied, dass die Rangers-Fahne nicht mehr hing. Diese Gruppe, die übrigens in Italien höchsten Respekt genießt, wurde im November 1976 gegründet und hat sich im letzten Jahr aufgelöst. Offiziell wegen der beschissenen Tessera, inoffiziell sollen aber noch andere Gründe zum Ende der Gruppe geführt haben. Damals hing direkt neben der Rangers-Fahne, die von den Desperados (1983), die nun die führende Gruppe ist. Sowohl Rangers als auch Desperados folgen in ihrer politischen Ansicht der toskanischen Tradition. Die Toskana war und ist Rot. Ob die Desperados wissen welche antilinke deutsche Gruppe sich nach ihnen benannt hat? Aus Brescia waren an diesem Abend etwa 100 Leute angereist und diese standen während des Spiels eng zusammen, was schon wunderte. Daheim können sich die einzelnen Gruppen nicht mehr riechen und dass obwohl Curva Nord und Curva Sud mittlerweile wieder in einem Block stehen. Allerdings nur weil die Südtribüne in Brescia geschlossen wurde. In Brescia ist die Situation kompliziert, manche meinen es sei wegen der ganzen Politik, andere wiederum meinen, dass es da ausschließlich um persönliche Empfindsamkeiten geht. Ich weiß es auch nicht, ich vermute mal eine Mischung aus Beidem und ich weiß auch nicht, wer in Brescia die tessera gezeichnet hat und somit in Empoli im Block stehen durfte. Der Support war für die paar Mann aber mehr als ordentlich und wurde von permanentem Fahneneinsatz unterstützt. Auf der Heimseite fand ich die Unterstützung am Anfang der Partie und nach den Toren ordentlich. Ansonsten scheint man in Empoli das Feld den Jungen zu überlassen zu haben und die können es noch nicht. Teilweise fünf Vorsänger gleichzeitig versuchten sich daran den Block zum Mitmachen zu animieren. Das Spiel bot viel, Empoli spielte überlegen und rechtfertigte Platz Eins in der Tabelle, während Brescia aus dem unteren Tabellendrittel, nur in einigen Szenen fußballerisch überzeugen konnte. Kurz nach der Halbzeit ging Empoli in Führung und fing sich kurz danach zwei unnötige Tore durch Konter. Empoli belagerte darauf die Hütte der Gäste und erst in der Nachspielzeit gelang der Ausgleich. Gerade in der zweiten Halbzeit war dies ein Spiel mit hohem Unterhaltungswert. Trotz der Punktverluste wird Empoli (die in der Vergangenheit übrigens mal AS Faschista Empoli sowie Dopolavoro Interaziendale Italo Gambacciani Sezione Calcio Empoli hießen) wohl neben Palermo am Ende der Saison aufsteigen. Das Auftaktmatch ins Wochenende war ganz passabel und da es schon spät war, ging es durchgefroren mit dem Zug nach Pisa, wo es auf der Rückseite (so grob) des Bahnhofs ein 1A-Hostel gibt, welches ich vor Jahren mal „entdeckte“. 20 Euro für ein Einzelzimmer (wenn man nicht über das Web bucht) sind für Italien schon ziemlich top. In Empoli hätte die Übernachtung ein Vielfaches gekostet. Buonanotte ai suonatori!

 
 
 
 
 
 

Tageskilometer:                             

Saisonkilometer:                    

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