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2. Liga Österreich, Saison 2013/2014, 19.07.2013

 

SC Rheindorf Altach - SV Horn

3:2

Altach, Stadion Schnabelholz (3.020 Zuschauer)

Sommer, Sonne und Bahnchaos! Alljährlich lockt der Deutschland-Pass und gleich am ersten Gültigkeitstag ging es dank der durch Flutschäden verursachten Brückensperrung mitten in der Nacht los. Laut Kursbuch wurde die Fahrzeit bis nach Vorarlberg mit knapp zehn Stunden und drei Umstiegen angegeben. Fünf Stunden Zeitpuffer, für ein Match der zweiten Liga Österreichs, sollten reichen. Die reale Fahrzeit lag am Ende bei knapp 14 Stunden, aufgrund von verpassten Anschlüssen, im Pott eingeschlossenen Fahrgästen und einer abgebrannten S-Bahn bei Mannheim. Aber Hauptsache man (teil) privatisiert solche für das Volk wichtigen Staatsbetriebe. Defizite werden solidarisiert und Gewinne privatisiert. Das Vorarlberg liegt zwischen Bodensee und Bergen, laut Eigenwerbung ist der Landstrich zauberhaft schön und die Entfernungen angenehm kurz. Viel wichtiger ist allerdings, dass man in dieser Region ordentlich Grounds wegscheppern kann. Mein Ziel hieß diesmal Altach, die Übernachtung wurde allerdings in der Nachbargemeinde gebucht. In Götzis (ca. 10.000 Einwohner, wo alljährlich auch das bekannte Zehnkampfmeeting stattfindet) gibt es die Pension Josef Fleisch, wobei der gute Josef schon seit Jahren nicht mehr lebt. Die Witwe führt die Pension noch weiter und bei meinem letzten Besuch vor ein paar Jahren betrieb sie noch ihren kleinen Krämerladen (österreichisch: Handlung), jetzt nur noch die Pension. Die Jugendherbergen in Feldkirch und Bregenz waren zwar bedeutend günstiger, aber zumindest die in Bregenz wegen so einer komischen Oper auf dem See, ausgebucht. Mein Besuch war daher eher von nostalgischer Natur. Von der Pension läuft man eine halbe Stunde bis in die Nachbargemeinde Rheindorf Altach und am Straßenrand begrüßte Hansi mit seiner Schmierbude die Gäste. Zwei überteuerte Käsekrainer waren der kulinarische Nullpunkt des Abends. Kurz darauf passierte ich den Ortseingang von Altach, welches noch kleiner als Götzis und wegen der geringen Fläche die am dichtesten besiedelte Gemeinde im Vorarlberg ist. Und trotzdem bringen es Leute fertig, über eine Stunde in diesem Dorf herumzuirren und das Stadion nicht zu finden. Mitten auf der Chaussee kam es zu der Begegnung der unheimlichen Art, als mich ein Riesenkerl total verschwitzt und abgehetzt verzweifelt nach dem Weg zum Stadion fragte. Der Typ kam aus Krefeld und meinte, dass er aufgrund der ungünstigen Bahnverbindungen noch nicht mal eine Halbzeit gucken könne. Er ging noch mit zum Stadion, verschwand dann aus meinem Blickfeld und wurde fortan nicht mehr gesehen. Da macht man sich doch noch beim Schreiben dieser Zeilen schon wieder Sorgen, Leute gibt’s! Eine Stunde vor Anpfiff löste ich das Ticket und verzog mich vorsorglich schon mal unter das Dach der Gegengerade, da der Himmel bedenklich bedeckt aussah. Die „ich-stehe-auf-grusselige-stadionnamen“-Arena wurde in den letzten Jahren mächtig aufgepimpt. Es gibt zwei überdachte Sitztribünen an den Längsseiten und zwei unüberdachte Stehblöcke aus zartem Stahlrohr hinter den Toren. Ich persönlich fand das nicht so übel, wenngleich das besondere Etwas fehlt. Altach ist mit Mattersburg Favorit der ziemlich unattraktiven zweiten Liga und empfing am ersten Spieltag den SV aus Horn in Niederösterreich. Angeblich soll es dort sogar eine Ultragruppierung namens Blue Boyz (so ein Z macht sich übrigens immer gut im Gruppennamen) geben, die aber die 650 Kilometer lange Anreise wohl scheuten. Schade, denn so überließ man den „Altacher Jungs“ das Feld, wobei hier auch nur gut ein Dutzend aktiv supportete. Früher gab es in Altach auch noch Gruppen wie Division 10, Northside und Supporting Patriots (komische Namen, so in Summe betrachtet), aber ob die nun alle in einer Gruppe aufgegangen sind oder ob diese noch existent sind, keine Ahnung. Sachdienliche Hinweise werden entgegengenommen. 15 Minuten vor Anpfiff passierte dann auch endlich Jochen J. die Stadiontore und so durfte ich in bester Gesellschaft das Spiel gucken. Die erste Halbzeit war für die Füße und im zweiten Durchgang dominierte Altach. 2:0 stand es zwischenzeitlich, dann auf einmal 2:2 und in den Schlussminuten bekamen die Gastgeber noch einen Elfmeter zugesprochen, der dann verwandelt wurde. Zum Catering gibt es nix zu berichten, weil nix verzehrt wurde. Nachdem Spiel marschierten wir noch gemeinsam zum Bahnhof in Götzis, wo wir noch mit einem Halben anstießen. Jochen zog es nach Feldkirch in die Jugendherberge, mich zu Frau Fleisch und kaum hatte ich es mir gemütlich gemacht, rief Jochen an und informierte mich, dass seine Hütte Vollbelegung geflaggt hatte. Interessierte mich allerdings nicht, aber Frau Fleisch war erfreut, dass sie zu so später Stunde noch einen Gast empfangen durfte. Da war der gute Jochen zu geizig die drei Euro Buchungsgebühr für sein Bettchen zu latzen und konnte am Ende ein Vielfaches des Ersparten bei Frau Fleisch lassen. Pro Fleisch, Contra Pfennigfuchser! Gute Nacht!

 
 
 
 
 
 

Tageskilometer:                             

Saisonkilometer:                    

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